Chancengleichheit in der Bildung

9. Januar 2021

Wie kann lebenslanges Lernen für alle sichergestellt werden und was hat die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung damit zu tun?

Die Agenda 2030 besteht aus fünf maßgeblichen Dimensionen: Menschen, Wohlstand, Planet, Partnerschaft und Frieden (People, Prosperity, Planet, Partnership and Peace – bekannt als die fünf „Ps“). Der traditionelle Ansatz der nachhaltigen Entwicklung besteht aus den drei Kernelementen soziale Inklusion, wirtschaftliches Wachstum und Umweltschutz. Die Agenda 2030 baut darauf auf und ergänzt den Ansatz um die Elemente Partnerschaft und Frieden. Im Zusammenspiel dieser fünf Dimensionen ergibt sich echte Nachhaltigkeit.

Die Bedeutung von Bildung im Rahmen der Agenda 2030

Der Bildung ist im Rahmen der 17 SDGs (Sustainable Development Goals) unter SDG4 ein eigenständiges Ziel gewidmet. Dieses enthält 7 Unterziele (Targets 4.1 – 4.7) und 3 Implementierungsmechanismen (4a-c).

Während das Millenniums-Entwicklungsziel  (MDG 2) den Schwerpunkt auf Kinder und ihren Zugang zu Grundschulbildung legte, verfolgte das Aktionsprogramm „Bildung für alle“ eine breitergefasste Agenda, die auf Befriedigung der grundlegenden Lernbedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen abzielte. Leider wurde das Ziel des Aktionsprogrammes „Bildung für alle“, das Recht auf Grundbildung für alle zu sichern, nicht bis zur vereinbarten Frist im Jahr 2015 erreicht.

Daher stellt die Bildungsagenda 2030 eine Fortsetzung dieser unvollendeten Agenda von „Bildung für alle“ dar, geht jedoch noch darüber hinaus, indem sie alle Länder verpflichtet, einen chancengerechten Zugang zu hochwertigen Lernangeboten auf allen Bildungsstufen im Sinne des lebenslangen Lernens sicherzustellen. Zusätzlich wurde die Thematik ausgeweitet und beinhaltet unter anderem auch die Themen frühkindliche Entwicklung und Gesundheit. Die SDGs helfen dabei, die Grundwerte und Prinzipien, die der Agenda 2030 zugrunde liegen, in konkrete und messbare Ergebnisse umzuwandeln. Mit Annahme der Agenda bekennen sich die UN-Mitgliedsstaaten zu einem ehrgeizigen Aktionsplan, der nach einer konzertierten Mitwirkung aller Akteure verlangt. 

Zugleich muss jeder von uns persönlich konkrete Schritte unternehmen, um das eigene Leben nachhaltiger zu gestalten. Bei alledem gilt: Lebenslanges Lernen ist eine Grundvoraussetzung, um die angestrebten tiefgreifenden Veränderungen erfolgreich voranzutreiben.

Die UNESCO sagt „Die Globale Nachhaltigkeitsagenda ist eine zwischenstaatliche Verpflichtung und ein Aktionsplan für Mensch, Umwelt und Wohlstand. Sie enthält 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs). Diese sind „integriert und unteilbar und tragen in ausgewogener Weise den drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung Rechnung: der wirtschaftlichen, der sozialen und der ökologischen Dimension.“  1*)

Dies verdeutlicht den ehrgeizigen und universellen Anspruch der neuen Globalen Nachhaltigkeitsagenda, zu der sich alle Mitgliedstaaten verpflichtet haben mit dem Ziel, globale Herausforderungen anzugehen und das Gemeinwohl zu fördern.

Sustainable Development Goal 4: Chancengerechte und hochwertige Bildung

Bis 2030 will man für alle Menschen inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen sicherstellen. Die Definition  entsprechender Targets dient als thematischer Indikator zur Überwachung des Fortschritts in der Beseitigung der Ungleichheiten in der Bildung *2). Das Tracking und Monitoring dieser Targets erfolgt über das lizenzfreie, von der UNESCO konzipierte Education Management Information System EMIS *3) welches an die spezifischen Bedürfnisse der Mitgliedsländer angepasst werden kann.

Bildung ist im Rahmen der Globalen Nachhaltigkeitsagenda nicht auf SDG 4 begrenzt 

Bildung hängt mit vielen anderen Sustainable Development Goals zusammen und kommt dort explizit oder implizit zum Ausdruck *4).

Beispiele:

SDG 3: Gesundheit und Wohlergehen

Unterziel 3.7: Bis 2030 den allgemeinen Zugang zu sexual- und reproduktions- medizinischer Versorgung sicherstellen, einschließlich Familienplanung, Information und Aufklärung, sowie reproduktive Gesundheit in nationale Strategien und Programme einbeziehen.

SDG 5: Geschlechtergleichheit

Unterziel 5.6, Indikator 5.6.2: Anzahl der Länder mit Gesetzen und Regelungen, die Frauen und Männer ab 15 Jahren vollen und gleichberechtigten Zugang zu sexual- und reproduktions-gesundheitlicher Versorgung, Information und Aufklärung garantieren.

SDG 8: Gute Arbeit und Wirtschaftswachstum

Unterziel 8.6.: Bis 2020 den Anteil junger Menschen, die ohne Beschäftigung sind und keine Schul- oder Berufsausbildung durchlaufen, erheblich verringern.

SDG 12: Nachhaltiger Konsum und Produktion

Unterziel 12.8: Bis 2030 sicherstellen, dass Menschen sich überall der Bedeutung einer nachhaltigen Entwicklung bewusst sind, über entsprechende Informationen verfügen und im Einklang mit der Natur leben.

SDG 13: Klimaschutz und Anpassung

Unterziel 13.3: Die Aufklärung und Sensibilisierung zu den Themen Klimaschutz, Klimaanpassung, Reduzierung der Umweltbelastungen und Frühwarnung verbessern sowie die hierfür notwendigen personellen und institutionellen Kapazitäten ausbauen.

Niemanden zurücklassen

Das ist einer der Grundsätze der Agenda 2030. Sie soll allen Menschen ein Leben in Würde ermöglichen und berücksichtigt benachteiligte Gruppen wie Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderungen, indigene Bevölkerungsgruppen und Flüchtlinge auf besondere Art und Weise. Der Bildungsbedarf ist weltweit immens und unverzichtbar für das Erreichen einer globalen nachhaltigen Entwicklung. Wir sind nur dann in der Lage, den Klimawandel, extreme Armut und Ungleichheit zu bekämpfen, wenn alle Stakeholder – einschließlich der Wirtschaft – sich verpflichten, Regierungen darin zu unterstützen, die Bildungsziele voranzutreiben.

Referenzen und weiterführende Links

*1) https://www.unesco.de/ueber-uns/ueber-die-unesco/globale-nachhaltigkeitsagenda

*2). (http://tcg.uis.unesco.org/wp-content/uploads/sites/4/2020/09/SDG4_indicator_list.pdf

*3) https://www.openemis.org/wp-content/uploads/2018/04/OpenEMIS_Concept_Note_SDG4_en.pdf

*4) (https://www.unesco.de/bildung/agenda-bildung-2030/bildung-und-die-sdgs)

Autorin: Sabine Gessenich

Sabine Gessenich ist Mitglied im Co:Lab e.V. und setzt sich mit POTENTIALO® in verschiedenen Gremien für die dringend überfälligen Veränderungen und die Chancengleichheit in unserem Schulsystem ein. Die Entwicklung von sozial-emotionalen Kompetenzen im Bildungsbereich ist aus ihrer Sicht außerordentlich wichtig und deshalb die Grundlage ihrer täglichen Arbeit. Im Rahmen der aktuellen Initiative #KoKI (Künstliche Intelligenz in Kommunen) des Co:Lab e.V. war sie Teil der der Arbeitsgruppe „Bildung und Lernen“.

Sabine auf Twitter: @SGessenich

 

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