Doppelte Transformation zur Nachhaltigkeit Eine Annäherung an Zukunftsperspektiven

6. September 2022

 

Die Publikation “Doppelte Transformation” unserer Initiative Nachhaltig Digital | Digital Nachhaltig ist raus! Klicke hier zum Download.

Kernaussagen im Überblick

Die Doppelte Transformation findet bereits heute (in Ansätzen) statt, und sie ist stark mit betrieblichem Wandel verwoben. Was das Konzept jedoch genau meint oder meinen sollte, ist bisher weder verbindlich definiert noch breit bekannt. Die Arbeitsgruppe versteht die Doppelte Transformation als einen weitreichenden Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft, in dem Digitalisierung als Mittel zum Zweck dient, um eine umfassende Ausrichtung aller Lebensbereiche am Ziel der Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Betrieblicher Wandel ist Teil dieser gesamtgesellschaftlichen Transformation.

Dass es einen Zusammenhang zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit im Sinne einer Doppelten Transformation gibt und hier auch der betriebliche Wandel eine Rolle spielt, ist für die interviewten Expert*innen klar. Mehrheitlich herrscht die Einschätzung vor, dass Digitalisierung ein Ermöglicher und Beschleuniger der Nachhaltigkeit sein kann (aber in keinem Fall automatisch immer ist), und zwar nicht nur betrieblich, sondern gesamtgesellschaftlich. Digitalisierung sollte in diesem Verständnis kein Selbstzweck sein, sondern wird betrachtet als ein Mittel zum Zweck: Um Nachhaltigkeitsziele rascher und besser erreichen zu können.

Es braucht (möglichst rasch) einen Schulterschluss von Digitalisierungs- und Nachhaltigkeits-Projekten, besonders auf betrieblicher Ebene. Der betriebliche Wandel kann dabei als Ausgangsbasis und wesentlicher Hebel der doppelten Transformation dienen.

Versteht man Digitalisierung als Mittel zum Zweck, um schneller und besser Nachhaltigkeits-Ziele zu erreichen, stellt sich die Frage: Wie können entsprechende Prozesse gefördert und vorangebracht werden? Hier besteht aktuell die Chance, die Erfahrungen, Tools und Erkenntnisse aus den letzten Jahren der Beschäftigung mit betrieblichem Wandel zu nutzen, um die Doppelte Transformation in Betrieben und Organisationen voran zu bringen. Denn wie digitaler betrieblicher Wandel funktioniert, ist inzwischen recht klar. Aus Sicht der Expert*innen führt er zudem meist nahezu zwangsläufig zu einer Beschäftigung mit bzw. Forderung nach einem starken Umsteuern Richtung Nachhaltigkeit. Die Prinzipien des betrieblichen Wandels können also als Ausgangsbasis für Prozesse und Initiativen dienen, die sich sowohl der Digitalisierung als auch der Nachhaltigkeit im Sinne einer
Doppelten Transformation verschreiben. In anderen Worten: Wollen sich Organisationen doppelt transformieren, kann das auf der Basis neuer partizipativer Arbeitskulturen wahrscheinlich am erfolgreichsten, sinnvollsten und tragfähigsten funktionieren. Einige Expert*innen spitzen weiter zu: Ohne einen solchen Kulturwandel wird eine Doppelte Transformation nicht gelingen. Unterstrichen wird zudem: Auch wenn der betriebliche Wandel einen wesentlichen Beitrag leisten kann, braucht es das Handeln aller Akteure, also von Unternehmen, Gesellschaft und besonders das der Politik durch entsprechende regulatorische Rahmenbedingungen.

Im Jahr 2030 muss die Umwelt (im Sinne ökologischer Aspekte der Nachhaltigkeit) Teil jedes Teams sein, und damit wird unser Arbeiten und Wirtschaften anders als heute funktionieren. Möglich ist das wohl nur in Form einer großen Metamorphose entlang der drei Sphären der Nachhaltigkeit. Eine Rolle spielen dabei alle drei grundlegenden Nachhaltigkeitsstrategien, d. h. die der Effizienz, Suffizienz und Konsistenz.

Für die Expert*innen ist eine weitreichende Doppelte Transformation unter den Vorzeichen ganzheitlich verstandener Nachhaltigkeit eindeutig das notwendige Ziel. Verstanden wird der Weg dahin als eine große Metamorphose, also als ein recht rascher, organischer Wandel grundlegender Prinzipien vieler gesellschaftlich-wirtschaftlicher Strukturen. In Szenario-Fragmenten scheint eine Skizze entsprechender möglicher Zukünfte auf – diese beschreiben entlang der drei Sphären der Nachhaltigkeit in Ansätzen, wie sich Lebenswelten verändern könnten, wie Leben und Arbeiten in ca. 10 Jahren aussehen und funktionieren würde. In den hier erarbeiteten Szenario-Fragmenten heißt das zum Beispiel: Weniger Konsum und mehr Lebensqualität auf gesellschaftlicher und individueller Ebene, mit der Umwelt als ganz selbstverständlicher und wesentlicher Teil jedes betrieblichen Teams, und mit neuen Mechanismen wirtschaftlicher Ausrichtung an besseren Lebensund Arbeitsbedingungen auch aus globaler Perspektive. Aus Sicht der Arbeitsgruppe ist ein entsprechender drastischer gesamt-gesellschaftlicher Wandel Richtung Nachhaltigkeit nicht nur wünschenswert, sondern auch dringend, und vor allem eins: zwingend notwendig.

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