Initiative: Nachhaltig Digital | Digital Nachhaltig

Nachhaltigkeit als Handlungsmaxime in der digitalen Transformation

Eine neue Initiative des Co:Lab e.V | Mai bis Dezember 2021

Globale Verschiebungen finden in unterschiedlichen Gestaltungsfeldern und auf unterschiedlichen Ebenen mit teils atemberaubender Geschwindigkeit statt. Wir befinden uns im Übergang zu einer neuen Gesellschaftsform: Die Netzwerkgesellschaft. Sie funktioniert anders und braucht daher ein anderes – ein neues (politisches) Handeln und Denken. Mehr denn je wird aus diesen Gründen die Frage nach der beziehungsweise nach mehr Nachhaltigkeit gestellt. Dabei geht es längst nicht mehr nur um ökologische Themen wie den Klimawandel. Es geht vielmehr um Wirkungsprinzipien in einem mehrdimensionalen komplexen Beziehungsgeflecht verschiedener, natürlicher Ökosysteme verknüpft mit Digitalisierung und Technologien. Eindimensionale Sichtweisen bringen uns hier nicht weiter, sie verstellen lediglich den Blick auf die wichtigen Zukunftsfragen.

Technologien werden in Verbindung mit der Digitalisierung oftmals als unaufhaltsamer, sich beschleunigender Prozess erlebt und dargestellt, der nicht verändert werden kann. Digitalisierung und Technologien sind aber keine Naturgewalten. Sie können und sollten von uns nachhaltig gestaltet werden. Damit dies gelingt, müssen Prozesse und Auswirkungen dieser technologischen  Transformation von den gesellschaftlichen Akteuren umfassend verstanden und ihre Verursacher:innen und Treiber transparent gemacht werden. Das setzt voraus, dass unterschiedliche gesellschaftliche Sichtweisen zusammen kommen und bestehende Wertvorstellungen verstanden, akzeptiert und respektiert werden. 

Mit dieser Initiative leistet das Co:Lab einen aktiven Beitrag für eine wirksame (digitale) Nachhaltigkeit.  Wir behandeln das Thema “Nachhaltigkeit als Handlungsmaxime in der digitalen Transformation” vorausschauend und lösen zentrale Fragestellungen transformativ in unterschiedlichen Gestaltungsfeldern unseres gesellschaftlichen Lebens. Denn nur so können wir Langfristigkeit, Generationengerechtigkeit und Ressourceneffizienz erreichen. Dafür müssen  wir uns vom “typisch deutschen” inkrementellen Denken lösen!

Dafür schaffen wir die notwendigen Denkräume und diskutieren darüber, wie die Digitalisierung nachhaltig mit gesellschaftlichen Zielen verbunden werden kann. Wir sprechen zum Beispiel darüber,  welche Rollen öffentliche und private sowie lokale und globale Akteure dabei spielen können, sollten und müssen. Wir beantworten die Frage, welchen Rahmen Staat und Gesellschaft schaffen müssen, um den Digitalen Wandel in den Dienst nachhaltiger Entwicklung zu stellen.

“Niemand will wirklich das Klima schädigen. Alle sind daran interessiert daran, eine enkelfähige Welt zu hinterlassen. Jedoch steht diesem Eigeninteresse das klassische Brecht’sche Bonmot entgegen: “Erst kommt das Fressen, dann die Moral.” Will heißen: Nur wer es sich finanziell leisten kann, wird den Kopf für eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen übrig haben. Es sei denn, man hat gar keine Alternative, als im Interesse der Klimaneutralität zu agieren. Damit liegt der Ball wieder in der Politik.” Anja C. Wagner (Mitglied im Lenkungskreis des Co:Lab e.V.)

Von Mai 2021 bis Dezember 2021 kommen Expert:innen und Interessierte aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft sowie Verwaltung und Politik (virtuell) zusammen, um in einer klassischen Think-Tank-Art auf Grundlage ihrer Expertise die aktuellen Chancen und Herausforderungen des Themas Nachhaltigkeit der digitalen Transformation interdisziplinär und multiperspektivisch zu beleuchten. Um beim Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung notwendige  transformative Sprünge zu erreichen, müssen wir uns von alten Denkmustern verabschieden und neue Aufbauen. Wir zeigen attraktive Alternativen zum bestehenden Denken, entwickeln Zukunftsbilder und Narrative, die eine gemeinschaftliche Begeisterung entfachen. Uns trägt dabei die Denkweise des sowohl-als-auch und nicht ein entweder-oder-Paradigma.

SDGs und WBGU als Denkanstoß

Wir beginnen bei unseren Überlegungen nicht auf der grünen Wiese, sondern lassen uns von den 17 Zielen nachhaltiger Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) inspirieren. Hinzu kommen die Handlungsfelder des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). In einem Gutachten hat er  Fragen formuliert, die eine erste Orientierung für eine weitere, breit angelegte, gesellschaftliche Debatte liefern.

Ziel der Initiative

Es ist unser Ziel, die SDGs bzw. die Schlüsselfragen des WBGU als Ausgangslage zu nutzen, um nach-, weiter- und vorzudenken. Wir greifen die Fragen im Rahmen unserer neuen Initiative auf, analysieren sie, diskutieren sie und erweitern sie vor allem mit neuen Fragen aus der Expert:innen- und Interessierten-Community. Wir holen die Diskussion im Rahmen eines interdisziplinären Multistakeholder-Ansatz von der Makroebene auf die lokale Ebene und beantworten sie mit konkreten Handlungsansätzen und -maßnahmen. Auf diese Weise rücken wir die Digitale Transformation der Gesellschaft ins Zentrum der Agenda 2030, in der Digitalisierung bislang eine untergeordnete Rolle spielte.

Arbeitsweise innerhalb der Initiative

Wir arbeiten nach bewährter CoLab-Manier in einer Mischung aus virtuellen und physischen Treffen und kollaborativer Online-Zusammenarbeit. Wir definieren im Mai im Rahmen des Barcamps die thematischen Schwerpunkte und steigen dann zielgerichtet in die Denkarbeit ein. Die Arbeitsgruppen organisieren sich weitestgehend autark. Jede:r, der sich engagiert, findet sich in der Publikation als Autor:in wieder. Die Expert:innen werden dabei nicht als Vertreter:innen ihrer Organisation entsandt, sondern bringen durch ihre bisherige Beschäftigung mit dem Thema eine dezidierte persönliche Position und ihre Expertise ein. Bei bisherigen Initiativen waren die Beteiligten gerade davon angetan, dass sie in einem klar definierten Zeitraum konkret an Themen gearbeitet haben und dabei mit Personen in Kontakt kamen, mit denen sie in ihrem normalen Umfeld niemals zusammen gekommen wären. Wir streben für die Initiative eine Mischung von Expert:innen aus der kommunalen Ebene, der Bundes- und Landesministerien an sowie aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik an. Außerdem legen wir großen Wert auf eine Balance der Geschlechter.

Gestalte mit und sei dabei!

Der Startschuss zur Initiative fiel am 19. Mai 2021 mit einem Co:Lab-Barcamp. Hier wurden die Ideen aus der Community für die Initiative generiert und diskutiert. Danach bildeten sich interessensgetriebene, interdisziplinäre Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Lead-Tandems, die unter dem Dach der Initiative und des Co:Lab jeweils eigene Thesenpapiere bzw. Streitschriften veröffentlichen. Dabei handelt es sich um Online-Publikationen und ggf. am Ende der Initiative um eine Print-Publikation als Sammelband des Co:Lab. Flankierend entstehen Blog-Beiträge, Podcasts, Online-Streitgespräch, Round-Table u.v.m.