Vorworte

Liebe Leserinnen und Leser,

die Menschen in unserem Land nehmen den Staat insbesondere dann wahr, wenn sie einen Ausweis oder Pass benötigen, Kinder- oder Wohngeld beantragen oder auf Straßen und Radwegen unterwegs sind. Daher ist die Kommune oftmals ihre erste Ansprechpartnerin. Hier erfahren sie den Staat und seine Prozesse. Es ist deshalb für viele Menschen auch ein zentraler Ort an dem KI-Systeme erlebbar sind beziehungsweise zukünftig erlebbar sein werden.

Daniela Kolbe

Daniela Kolbe

Mitglied des Deutschen Bundestages, Vorsitz der Enquete-Kommission „Künstliche Intelligenz“

In der Enquetekommission des Deutschen Bundestags „Künstliche Intelligenz – Gesellschaftliche Verantwortung und wirtschaftliche, soziale und ökologische Potenziale“ hatten wir die Gelegenheit, uns intensiv mit den Möglichkeiten von KI-Systemen zu befassen. Wir haben viel über die Technik gelernt. Wir haben aber auch festgestellt: Es ist eine menschengemachte Technik. Wir sind überzeugt: Wir können und sollten KI-Systeme nach unseren Vorstellungen formen und nutzen, um Erleichterungen für die Mitarbeitenden und Bürger:innen zu erreichen und gleichzeitig mitzubestimmen, wie KI-Systeme aufgebaut sind und wie sie bei uns eingesetzt werden. Dabei sollte die menschenzentrierte KI unser Leitbild sein. Damit meinen wir eine vertrauenswürdige KI, die die Bedürfnisse von Menschen berücksichtigt anstatt sie fremd zu steuern.

Kommunen sind also wichtige Akteure bei der Entwicklung von KI-Systemen. Hier werden sie hoffentlich zukünftig eingesetzt, um staatliche Leistungen zu verbessern und das Gemeinwohl zu fördern. Die Möglichkeiten sind zahlreich. Egal ob als Chatbot zur Beantwortung von Fragen rund um die Uhr, bei der schnelleren Bearbeitung von Anträgen oder in den unzähligen möglichen „Smart-City“-Ansätzen – KI-Systeme bieten einen großen Mehrwert in den Städten, Kreisen und Gemeinden.

Mir ist es wichtig, dass in den Entscheidungen zu Entwicklung und Einsatz von KI-Systemen möglichst viele Menschen einbezogen werden. So müssen nicht nur Abteilungsleiter:innen von den Vorzügen überzeugt werden, sondern Verwaltungsmitarbeitende aller Ebenen sollten lernen können, was ein KI-System ist und wie es prinzipiell funktioniert. Dazu muss auch die Weiterbildungsförderung ausgebaut werden. Mitarbeitende müssen aber auch in die Entwicklung und Integration beziehungsweise die weitere Begleitung einbezogen werden. Schließlich sind sie die Expert:innen und wissen, wo es in den einzelnen Arbeitsprozessen hakt und was sie benötigen, um die Anliegen der Bürger:innen zu bearbeiten.

Hinzu kommt, dass Kommunen über wichtige Daten verfügen, die zur Entwicklung und kor- rekten Anwendung von KI-Systemen erforderlich sind. Nur wenn es uns gelingt, diesen Wissensschatz gemeinsam zu heben, kann unsere Gesellschaft davon profitieren. Dabei starten wir nicht bei Null. Es gibt zahlreiche Ideen und Anwendungsbeispiele, die Sie auch hier wiederfinden. Zusätzlich stellt der Bundestag viel Geld für verschiedene Förderprogramme zur Verfügung, um Kommunen fit für die Zukunft zu machen. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre dieser Publikation und viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer KI-Vorhaben.

Prof. Dr. Katharina Zweig

Prof. Dr. Katharina Zweig

Autorin „Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl”

Sehr geehrte Damen und Herren,

Künstliche Intelligenz (KI) in der Verwaltung – das assoziieren wohl viele mit der Frage, ob jetzt per Maschine über Sozialleistungen entschieden wird. Dabei ist das ganz einfach: Das kann die KI heute nicht leisten, es fehlt ihr dafür an Intelligenz. Punkt. Wird sie das irgendwann können, und zwar so, dass wir Menschen diesen Entscheidungen vertrauen? Vielleicht. Aber mit den heutigen Methoden und den Daten, die uns derzeit zur Verfügung stehen, geht es nicht.

Daher sollten wir uns heute um andere Fragen kümmern, nämlich um die Frage, welche realistischen Chancen die aktuelle KI für Kommunen bietet. Und da hat sich in den letzten Jahren wirklich viel getan. Routinearbeiten, die bislang nicht automatisiert werden konnten, können inzwischen ziemlich zuverlässig von Maschinen übernommen werden. Das gilt für Aufgaben, die bisher nicht automatisierbar waren, weil dazu ein handschriftlich ausgefülltes Formular nochmal in eine Textmaske eingegeben werden muss – heute automatisierbar. Oder Aufgaben, bei denen im Gespräch wichtige Fragen geklärt werden mussten – das kann zumindest teilweise heute mit Chatbots und Sprachassistenten abgeklärt werden. Das kann Aufgaben betreffen, bei denen es um die Bewertung von physischen Objekten geht, wie beispielsweise dem Zustand einer Straße. Auch hier kann inzwischen dank der modernen Bilderkennung vieles automatisiert werden.

Diese Form der KI nehmen wir schon fast nicht mehr wahr, weil sie so alltäglich worden ist. Tatsächlich aber verspricht sie die gewaltigsten Effizienzgewinne: Die Suchmaschinentechnologie, die uns Webseiten liefert, kann beispielsweise auch in der Verwaltung nach Dokumenten suchen – und zwar auch dann, wenn man sich nicht ganz sicher ist, nach welchen Schlagwörtern man suchen muss. Hier ist die Maschine inzwischen „schlau“ genug, nach sinnverwandten Wörtern gleich mitzusuchen und fördert damit Dokumente zu Tage, die genau das liefern, was man eigentlich gemeint hat. Übersetzungssoftware ist vielfach so gut geworden, dass auch kleinere Gemeinden es sich leisten können, ihren nicht-deutschsprachigen Bewohner:innen die Ortsnachrichten in ihrer Muttersprache zugänglich zu machen. Auch die eingehenden E-Mails und Briefe lassen sich mit Hilfe von KI vorsortieren: nach Abteilung und Inhalt.

Die sogenannte KI mag noch nicht intelligent sein, aber sie ist ein wichtiges Werkzeug, um Texte, Sprache und Bilder besser zu verarbeiten. Und damit wird sie in den nächsten Jahren ein unersetzlicher Helfer bei vielen Verwaltungsprozessen werden. Wir laden Sie ein, sich mit dieser Publikation nach Chancen umzuschauen, die dieses neue Werkzeug bietet. Gestaltet werden muss es aber von uns – den Menschen.